Electrified: mechanische Uhren paaren sich mit Elektronik

Electrified: mechanische Uhren paaren sich mit Elektronik

Titelbild: Urwerk EMC TimeHunter. Die mechanische Uhr enthält eine elektronische Gangwaage und ein Messgerät für die Amplitude der Unruh. Die elektrische Energie dafür wird mit einer herausklappbaren Kurbel erzeugt.

Am Freitag, den 22. Januar hat der Genfer Uhrensalon „Salon de la Haute Horlogerie“ seine Pforten geschlossen. Abgesehen von Baselworld ist er das wichtigste der jährlichen Ereignisse der Uhrenindustrie. Dieses Jahr konnte sich die Fondation de la Haute Horlogerie (FHH), die den Event seit 26 Jahren durchführt, dazu durchringen, neun unabhängige Marken, die bisher jeweils als Satelliten, oder Parasiten, wie die Aussteller des SIHH sie eher bezeichneten, Wiederverkäufer und Journalisten in Hotels der Stadt empfingen, in den Salon zu integrieren. Ihnen wurde ein separater Flügel des Ausstellungsgeländes in den Hallen der Palexpo, das „Carrée des Horlogers“ gewidmet, wo sie, je nach Budget, unterschiedlich grosse Stände mieten konnten. Folgende Marken waren dort vertreten: Hautlence, H. Moser & Cie, De Bethune, HYT, Christophe Claret, MB&F, Urwerk, Laurent Ferrier und Kari Voutilainen. Die Massnahme der FHH war eine Flucht nach vorn gewesen, denn die attraktivsten der Satelliten hatten Jahr für Jahr für Unruhe gesorgt, indem sie dem SIHH die Besucher abspenstig machten. Draussen herrschte dann jeweils ein Kommen und Gehen von Limousinen mit Logos von Marken, die am SIHH selbst nicht vertreten waren. Viele SIHH-Aussteller liessen sich jedoch nur widerwillig von der Notwendigkeit des Einbezugs der Konkurrenz überzeugen, was natürlich auch als Kompliment an deren Kreativität betrachtet werden kann. Wenn grosse Konzerne sich vor der Schaffenskraft einer Handvoll unabhängiger Uhrenmarken fürchten, müssen letztere ihre Sache gut machen. Ihre Integration hat jedoch allen Beteiligten etwas gebracht: die Mitglieder der FHH haben wieder mehr Ruhe in ihrem Salon, die 9 neuen Marken profitieren davon, dass sie nun auch Besuch von Leuten bekommen, die noch nie von ihnen gehört hatten, und die Besucher haben die wichtigsten Exponenten an einem Ort konzentriert.

Natürlich gibt es noch immer Uhrenmarken, die von der Anziehungskraft des SIHH profitieren, an dessen Rande ihre Erzeugnisse zeigen und mit Abendveranstaltungen locken. Neben den Lokalmatadoren Franck Muller Watchland und F.P. Journe, denen man es nicht verdenken kann, dass sie ihre Firmensitze zur Durchführung einer Privatmesse nutzen, tun das auch Marken der Swatch Group und der Gruppe LVMH, die nicht bis zu ihrer Messe, der Baselworld warten mögen. Dass Patek Philippe, Rolex und Breitling sich nicht an solchen Guerilla-Aktionen beteiligen, ist Ehrensache und zeugt von Stil.

Die Wolken am Himmel mögen die Absatzzahlen beeinflussen, doch die Kreativität in der Branche scheint ungebremst. Smartwatches sind in den Gefilden der Haute Horlogerie kein Thema. Jedenfalls hatte keine der ausstellenden Marken eine solche im Gepäck. Bei Montblanc war keine Rede mehr vom e-Strap, der voriges Jahr als Studie vorgestellt worden war. Und auch IWC Connected wurde mit keinem Wort mehr erwähnt. Es gab allerdings eine Marke, die den Ball in anderer Form aufnahm und eine mechanische Uhr im vergrösserten Kleid einer Apple Watch präsentierte. Das war die „Swiss Alp Watch“ der Schaffhauser Marke H. Moser & Cie (siehe vorigen Beitrag).

Einen Effekt mögen die diversen connected Watches und der Medienhype darum herum allerdings bewirkt haben: Elektronik und Mechanik sind sich nicht mehr spinnefeind. So gab es Uhren mit elektronischen Elementen sowohl bei experimentierfreudigen Marken als auch bei solchen, wo man es nicht vermutet hätte, zu sehen. Dass eine avantgardistische Marke wie Urwerk ein Modell mit einer elektronischen Zeitwaage ausstattet, die auf Verlangen die Präzision des Uhrwerks quarzgenau überprüft, vermag nicht zu überraschen. Dass HYT, eine Marke, deren Uhren die Zeit mit gefärbter Flüssigkeit in Kapillaren anzeigt, eine elektrische Beleuchtung einbaut, passt ebenfalls irgendwie zur Philosophie der Marke. Doch wenn Piaget eine Herrenuhr herausbringt, deren mechanisches Werk, das Kaliber 700P mit automatischem Aufzug, anstelle einer mechanischen Hemmung eine elektronisch gesteuerte Bremse enthält, und wenn Van Cleef & Arpels, bekannt für edle Schmuckuhren, die diamantenen Sterne auf einem nachtblauen Zifferblatt per Knopfdruck erstrahlen lässt, ist man doch eher überrascht. Allen diesen Uhren ist gemein, dass die Energie, die sie benötigen, nicht aus einer Batterie stammt, sondern vom Träger selbst geliefert wird, sei es über eine Kurbel, eine drehbare Krone oder einfach über einen Knopf, der Spannung erzeugt, wenn er gedrückt wird.

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Bild: Das mechatronische Werk 700P von Piaget beruht auf einer Schweizer Erfindung von 1972. Anstelle einer mechanischen Hemmung enthält das mechanische Kaliber eine elektronische Drehzahlkontrolle.

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Bild: Van Cleef & Arpels Midnight Nuit Lumineuse. Ein Prototyp, der zeigt, wie Elektronik und Schmuckuhr zusammenpassen könnten. Mit dem Drücker wird auf piezoelektrischem Weg Spannung erzeugt, welche einzelne Diamanten durch LEDs aufleuchten lassen.

Während die „Métiers d’Art“, also die Kleinstkunst auf Zifferblatt und Gehäuse im Vorjahr noch stark im Fokus der Kommunikation stand, ist sie dieses Jahr beinahe ein wenig selbstverständlich geworden. Cartiers eigens dafür eingerichtetes Atelier in La Chaux-de-Fonds erfindet laufend neue Handwerkskünste, diesmal in Form der Granulierung von Glas. Dabei entsteht auf dem Zifferblatt ein Mosaik aus winzigen Glaskügelchen, welche sich durch gezieltes Erhitzen mit ihrem ebenfalls gläsernen Untergrund verbinden, ohne zu schmelzen. Bei Piaget wiederum gibt es Zifferblätter mit Einlegearbeit aus Holz und Perlmutt, wobei die Puzzleteile mikroskopisch klein sind.

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Bild: Cartier Ballon Bleu mit Email-Granulation (Foto Vincent Wulveryk/Cartier)

Der Trend zu immer grösseren Uhren scheint den Zenit überschritten zu haben, wie die Rückbesinnung bei IWC zeigt, wo etliche Uhren der Fliegerkollektion im Vergleich zum Vorjahr um 2 mm geschrumpft wurden. Die kleinste Kollektion misst sogar nur 36 mm im Durchmesser. Eine Ausnahme bestätigt allerdings die Regel: die grosse Fliegeruhr der Schaffhauser Marke misst stolze 55 mm im Durchmesser, genau wie ihr Vorbild aus dem 2. Weltkrieg.

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Bild: Kleine Fliegeruhr von IWC mit 36mm Durchmesser.

Taschenchronographen im Fokus

Taschenchronographen im Fokus

Ein neues Buch gibt einen Überblick über die Geschichte der Chronographen aus Schweizer Produktion. Herausgeber ist die Vereinigung Chronometrophilia.

Der Autor Joël Pynson aus Toulouse ist Ophthalmologe und Forscher der Biomedizin. Wie so viele Autoren hochspezialisierter Bücher zum Thema Uhr ist er ein von der Uhr Besessener, der seine Recherchen in der Freizeit betreibt. Der 293-seitige gewichtige Band ist zweisprachig (französisch/deutsch) abgefasst und enthält 800 Farbbilder und 160 Kaliberdarstellungen.

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Das umfangreiche Werk versteht sich nicht als Lesebuch, sondern soll dem Sammler dazu dienen, die Herkunft nicht firmierter Werke eindeutig zuordnen zu können. Zu Zeiten, als „Branding“ noch weniger wichtig war als heute, gab es jede Menge Uhren, die entweder gar nicht signiert waren, oder nur den Namen des Etablisseurs oder gar des Verkaufsgeschäfts auf dem Zifferblatt trugen. Vor dem ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise gab es in der Schweiz eine grosse Anzahl von Uhrwerksherstellern und kleiner Marken, die in der Zwischenkriegszeit spurlos verschwanden. Bekannte Namen wie Patek Philippe, Vacheron Constantin oder Audemars Piguet verbauten Chronographenwerke dieser weitgehend namenlosen Zulieferer. Anhand der zahlreichen Abbildungen können solche Werke eindeutig identifiziert werden. Die zahlreichen Betriebe werden mit kurzen Porträts gewürdigt.

Am Ende des Buches befindet sich ein Referenzteil, in dem die wichtigsten Werke und ihre Kadratur nebeneinander abgebildet sind und es so einfacher machen, ein gesuchtes Kaliber zu identifizieren. Auch ein Anhang mit der Erklärung der wichtigsten Fachbegriffe fehlt nicht.

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Das Buch, welches die Mitglieder von Chronometrophilia zum Jubiläum ihres Vereins geschenkt bekamen, kann beim Verein oder bei Editions Simonin zum Preis von 120 Franken bestellt werden.

H. Moser pfeift auf Markenschutz

H. Moser pfeift auf Markenschutz

Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz, denn der CEO der Uhrenmarke H. Moser & Cie, Edouard Meylan hatte schon mal ein Video auf YouTube gepostet, in dem er sich, einen Apfel anbeissend, über die Apple Watch lustig gemacht hatte. In einem aktuellen Video stellt die Marke aus Schaffhausen, die seit Ende 2012 zur MELB Holding gehört, ihren neusten Coup vor: die Swiss Alp Watch. Das Gehäuse der rechteckigen Uhr sieht mit seinen abgerundeten Flanken und Ecken sowie den bügelförmigen Bandanstössen aus wie der Apple Watch aus dem Gesicht geschnitten. Die Unterschiede sind ein typisches Moser-Zifferblatt mit drei Zeigern und der sogenannten „fumé“-Optik, das Saphirglas auf der Rückseite, das den Blick auf das mechanische Moser-Kaliber frei gibt, sowie die von einer herkömmlichen Moser-Uhr adaptierte Krone.

Im Communiqué vermeldet die Firma vollmundig, dass die übrige Uhrenindustrie angesichts der Bedrohung durch Smartwatches entweder gar nichts tue oder mit einem halbherzigen elektronischen Ticker mit dem Strom schwimmen wolle, während Moser „für die jahrhundertealten Werte kämpft, auf die sich der Ruf der Schweizer Uhrmacherkunst gründet.“ Die Marke schreibt weiter: „Und statt nun ein Modell mit elektronischem Herzen zu entwickeln, das wie eine mechanische Uhr aussehen will, hat sich H. Moser & Cie. entschlossen, das genaue Gegenteil zu tun.“ Die neue Swiss Alp Watch sei „vom modernen Smartwatch-Design inspiriert, dabei jedoch eine rein mechanische Uhr.“ Das Wort „inspiriert“ klingt dabei etwas scheinheilig, denn dass das Äussere der Uhr von der Apple Watch abgekupfert ist, sieht jedes Kind.Swiss_Alp_Watch_8324-0200_PR_Back_White_Background_RGB

Das ist umso befremdlicher, als die Schweizer Uhrenindustrie sich sonst stets als Opfer von Plagiaten sieht. Seit Jahren führt die „Fédération Horlogère“ einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen billige Nachahmer aus Fernost, die zum Teil die Aufregung nicht verstehen, da es in ihren Augen eine Ehre ist, kopiert zu werden. Die grossen Gruppen Richemont, Swatch Group und LVMH sowie Marken wie Rolex beschäftigen Heere von Fachleuten, die das Internet nach Kopien durchforsten und deren Quellen zu eruieren versuchen, um dann dort direkt mit der Macht des Gesetzes zuschlagen zu können, was auch nicht immer von Erfolg gekrönt ist, da die Gesetzgebung in den betreffenden Ländern diesbezüglich oft lascher ist als in Europa. Dass es auch innerhalb der Schweizer Uhrenindustrie zuweilen zu „Inspirationen“ kommen kann, ist bekannt. So sehen die Uhren der Rado-Linie „True Thinline“ bestimmten Modellen der dänischen Marke Skagen ausgesprochen ähnlich. Als die Marke Jaquet Droz 2001 im Schosse der Swatch Group einen Neustart wagte, waren deren Zifferblätter von Modellen der Genfer Marke F.P. Journe inspiriert. Auch das Modell „Big Bang“ von Hublot ist so nah an der „Royal Oak Offshore“ von Audemars Piguet, dass manch ein Uneingeweihter glaubt, die „Royal Oak“ sei eine Kopie der „Big Bang“. Doch die Tatsache, dass eine Schweizer Marke das Design einer anderen eins zu eins kopiert und daraus auch kein Hehl macht, ist neu.

Zugegeben, das Resultat sieht gar nicht schlecht aus. Das mag daran liegen, dass der Entwurf von Marc Newson für Apple einfach so gelungen ist, dass er auch einer mechanischen Uhr gut zu Gesicht steht. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich fast alles aus der Feder des Australiers schön finde. Interessant wird sein, wie der Markt auf diese Uhr aus Weissgold reagiert, von der es nur 50 Stück zu einem Preis von 25’000.- geben wird. Noch interessanter wird sein, wie Apple selbst auf die Ehrerweisung reagieren wird.

Die Atomuhr fürs Wohnzimmer

Die Atomuhr fürs Wohnzimmer

Ein zwei Meter langer Riegel an der Wand, so präsentiert sich die „genauste autarke Uhr auf dem Weltmarkt“, die TIMEmachine des Zürcher Hersteller TIMEstandard (www.timestandard.ch). Laut dem Inhaber der Firma und geistigem Vater dieser aussergewöhnlichen Uhr, Pat Micheli, enthält der stabförmige Zeitmesser die erste privat käufliche Atomuhr. Das Werk, das sich hinter einer geheimnisvoll glimmenden Metallplatte auf der linken Seite verbirgt, gehört zu den kleineren Atomuhren und dürfte eine Rubidium-Uhr des Schweizer Herstellers Spectratime (www.spectratime.com) sein, wie die Wissenschaft sie in Satelliten und überall dort einsetzt, wo geringe Abmessungen und präzise Zeitmessung unabdingbar sind. Leider hüllen die Hersteller sich in Schweigen, wenn es darum geht, genaueres über die darin steckende Technologie zu erfahren. Für Verwirrung sorgen auch die zahlreichen Nomenklaturen, wie die „Shot Gun Sequence Referenzquelle“, welche die Frequenzen zweier verschiedener Atom-Oszillatoren potenzieren soll, und zwar nach einer gleichnamigen Sequenzierungsmethode aus der Molekularbiologie. Die Uhr wird auch als äusserst feinfühlig beschrieben. So soll sie beispielsweise die ungleichförmige Rotationsbewegung der Erde registrieren und ihren Gang dem Lauf der Erde anpassen. Das bedeutet, dass man die in unregelmässigen Abständen einzusetzende Schaltsekunde vergessen könne, da das mitdenkende Uhrwerk diese bereits automatisch ausgeglichen habe. Zuständig dafür sind die „ permanent programmable peridoic error correction“ (PPPEC) sowie das „leap second auto alignment“ (LSAA). Wie das genau vor sich geht, war auch im direkten Gespräch mit Pat Micheli nicht zu erfahren, als die Uhr am 16. November bei Zeitzone (www.zeitzone.ch) in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Immerhin ist aus den Unterlagen zu erfahren, mit welcher Frequenz der „Perpetual Oszillator Monoblock“ getaktet ist; er arbeitet mit 1’420’405’752 Hertz, also rund 1,4 Gigahertz, eine Zahl, die angesichts ähnlicher Taktfrequenzen in Computern nicht mehr so ungewöhnlich aussieht.theTIMEmachine_01

Auch für die Anzeige haben sich die Erfinder etwas ungewöhnliches ausgedacht, was dazu führt, dass die Uhr beim ersten Betrachten absolut rätselhaft erscheint. Jede Zahl ist durch eine Ziffernreihe dargestellt, die zunächst einmal aufaddiert werden muss. So geht denn das Ablesen bedeutend langsamer als das Anzeigen des Moments. Die Ziffern werden nämlich laut Pat Micheli mit Lichtgeschwindigkeit angesteuert, obschon es sich dabei um eine elektro-mechanische Schaltung (EMC) handeln soll. Um die Sekunden darstellen zu können, kommt folgende Zahlenreihe zum Einsatz: 32, 16, 8, 4, 2, 1. Jede dieser Ziffern kennt nur zwei Zustände: die erwähnte Zahl oder Null. Die 60 würde sich demnach folgendermassen darstellen: 32, 16, 8, 4, 0, 0. 0 wird als 0, 0, 0, 0, 0, 0 dargestellt. 37 sieht so aus: 32, 0, 0, 4, 0, 1. Da die Uhr sowohl Datum als auch Uhrzeit anzeigt, benötigt sie 6 Zahlenblöcke mit insgesamt 59 Ziffern. Es gibt drei Versionen, die sich durch die Anordnung von Datum und Uhrzeit unterscheiden. Die Zahlenblöcke sind nicht beschriftet, und so muss man sich anfangs etwas Zeit nehmen, um deren Bedeutung herauszufinden, falls man nicht weiss, welche der drei Varianten man vor sich hat.

Da die Philosophie der 61’400 Franken teuren TIMEmachine keine Synchronisierung mit einer Funkuhr vorsieht, ist es auch beinahe unmöglich, die Uhr selbst so genau einzustellen, wie sie anschliessend die Zeit zählen soll. Dazu braucht es die Mitarbeiter von TIMEstandard, welche die Uhr auch liefern. Damit bei einem Stromausfall die wertvolle Zeit nicht verloren geht, kann man dazu die RESOURCEmachine kaufen, ein Notstromaggregat, das mittels eines weiterdrehenden Schwungrads noch einige Zeit genügend Strom für die Zeitmaschine erzeugen kann.

Das Gehäuse der TIMEmachine besteht aus zwei Hauptkomponenten, einem schwarzen Körper, der aus einem Block Kompositmaterial gefräst wurde und gute Dämpfungseigenschaften aufweisen soll, sowie einem etwa 4 cm dicken Verbundglas, das mit transversalen Edelstahlschrauben auf dem Rückteil fixiert ist. Die Wand, die die Uhr tragen soll, muss stark gebaut sein, denn die Uhr wiegt rund 100 Kilogramm.

Abgehoben: die Uhr zum Buch

Abgehoben: die Uhr zum Buch

Auch wenn die Raumfahrt im Moment nicht für viel Gesprächsstoff sorgt, so ist die von ihr ausgehende Faszination dennoch ungebrochen. Hergés Tintin-Abenteuer „Objectif Lune“, die Fotos von Apollo 11 und die Zeitraffer-Filme der Erdoberfläche aus der Raumstation ISS sind Dinge, die man sich immer wieder ansehen kann.

Obschon in die nach-Apollo-Ära hineingeboren, konnte sich auch der Zürcher Betriebswirt Patrick Hohmann der Ausstrahlung von Raketen nicht entziehen. Ihm hatten es die russischen Sojus-Raketen angetan, diese Arbeitspferde, die nun bereits seit genau 50 Jahren, von der Öffentlichkeit kaum beachtet, ihren Dienst als Raumtransporter verrichten. Sie bringen Forscher, Lebensmittel und Instrumente zur ISS und tragen Satelliten in den Orbit. Alleine schon ihre Höhe von 46 Metern und ihr Gewicht von 300 Tonnen vermögen zu imponieren. Dazu kommt das beeindruckende Arrangement der 20 rot eingefärbten Triebwerke, die gut sichtbar sind, wenn die Rakete horizontal zu ihrem Startplatz transportiert wird.

Hohmanns Herz schlägt jedoch nicht nur für die Raumfahrt, sondern auch für Uhren, vor allem für mechanische. Die Geschichte der Omega Speedmaster, die als erste und einzige Uhr jemals auf dem Erdtrabanten getragen wurde, war für ihn ein perfektes Beispiel einer Marketing-Chance, die der Zufall ermöglicht hatte. Auch das Engagement von Fortis im russischen Raumfahrtprogramm war dem jungen Entrepreneur nicht entgangen. Er wunderte sich bloss, dass noch niemand auf die Idee gekommen war, eine Uhr aus dem Material zu fertigen, aus dem die Raketen bestehen. Seine Gedanken waren dabei bestimmt ein wenig von der Marke Romain Jerome und ihrer DNA of famous Legends beeinflusst, denn tatsächlich, die hatten ja sogar einmal eine Uhr vorgestellt, in deren Gehäuse Bruchstücke einer Apollo-Kapsel eingearbeitet waren. Hohmann schwebte aber eine Uhr vor, die unlimitiert und zu einem vernünftigen Preis produziert werden konnte. Bei 12 bis 30 Sojus-Starts pro Jahr müsste doch eine Menge Material anfallen, wenn die ausgebrannten ersten Stufen kurz nach dem Start jeweils zurück in die kasachische Wüste fallen, wo sich die russische Raumbasis in Baikonur befindet.

Werenbach Kollektion

 

Hohmann schreckte nicht davor zurück, die abenteuerliche Reise in die Steppe Kasachstans auf sich zu nehmen, um sich an Ort und Stelle zu informieren, ob man überhaupt an das Material kommt, das ja nach dem Aufprall für die Raumfahrt nicht mehr weiterzuverwenden ist. Er lernte den Schrotthändler kennen, der von der russischen Raumfahrtbehörde die Erlaubnis besitzt, das Material einzusammeln und weiterzuverarbeiten. In zähen Verhandlungen und weiteren Reisen nach Kasachstan gewann er dessen Vertrauen und schaffte es, für seine Zwecke genügende Mengen des begehrten Materials zu kaufen und in die Schweiz zu schaffen. Es handelt sich um Aluminium aus der Aussenhaut der vier um die Rakete angeordneten Booster, sowie Stahl von den Triebwerken selbst.

Bevor die Metalle zu Uhrwerken verarbeitet werden konnten, musste zunächst ihre Unbedenklichkeit von einer offiziellen Stelle überprüft werden. Eine deutsche Universität bestätigte, dass die eingeschickten Metallproben ungefährlich seien. Dann wurden die Metalle neu legiert, um die zur Herstellung von Gehäusen nötigen Qualitäten zu erhalten. Ausserdem musste der Newcomer, der mit der Uhrenindustrie zuvor wenig am Hut gehabt hatte, einen Designer und einen Gehäusehersteller finden, um überhaupt an ein kommerzielles Produkt denken zu können. Fünf Jahre nach dem ersten Aufkeimen der Idee war es soweit: er hatte Uhrwerke auftreiben können, einen Designer kennengelernt, einen Gehäusehersteller für sich gewinnen können sowie einen Uhrmacher in Zürich gefunden, der ihm zusagte, die Uhren einzuschalen. Das Resultat erinnert ein wenig an Fliegeruhren anderer Hersteller, doch das Design ist klar und die Verarbeitung wertig. Entsprechend dem Ursprung des Materials gibt es Gehäuse aus dem Aluminium der Booster und solche aus dem Stahl der Triebwerksaggregate.

Werenbach Buch

Da die Entstehungsgeschichte mehr hergibt, als man in eine Werbekampagne verpacken kann, und für eine solche ohnehin das Geld fehlte, verarbeitete Hohmann seine Notizen und Erinnerungen an das Abenteuer in Form eines Romans, der im September 2015 im Zürcher Bilgerverlag auf den Markt kam. Das Buch heisst „Werenbachs Uhr“. Werenbach ist Patrick Hohmanns fiktives Alter Ego, das im Roman den Autor antreibt, ihm nach Kasachstan zu folgen und ihm bei der Realisierung des verrückten Zeitmessers zur Seite zu stehen. Werenbach ist aber auch der Name der Marke.

Die Kollektion sportlicher Armbanduhren kann man online unter www.werenbach.ch bestellen. Das günstigste Modell ist für CHF 6300-. zu haben. Als Antrieb kommen die Kaliber 2892-A2 und Valjoux 7750 von ETA zum Einsatz. Das Buch ist über www.bilgerverlag.ch erhältlich.

Tag Heuer verbindet sich und nennt es „Connected to Eternity“

Tag Heuer verbindet sich und nennt es „Connected to Eternity“

Tag Heuer hat am 9. November in New York City die bereits während der Baselworld am 19. 3. angekündigte Smartwatch „Tag Heuer Connected“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ist ab sofort verfügbar und kostet 1400 CHF. Die Enthüllungszeremonie, zu der LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver und LVMH-Präsident Bernard Arnault angereist waren, fand im LVMH-Tower an der East 57th Street in Manhattan statt. Mit dabei waren Brian Krzanich, CEO von Intel (links im Titelbild) und David Singelton, Vizepräsident Engineering für Android von Google (zweiter von rechts), der auch schon bei der Ankündigung in Basel dabei war.

Bernard Arnold und Jean-Claude Biver präsentieren ihre Connected Watch.
Bernard Arnault und Jean-Claude Biver präsentieren ihre Tag Heuer Connected.

Die Smartwatch ist in einem runden, 46mm grossen und 12,8mm dicken Titangehäuse untergebracht, das sich an das Design des Modells Carrera anlehnt. Die mit einer Minüterie versehene karbidbeschichtete Titanlünette ist nicht drehbar. Zwischen den unteren Bandanstössen ragt eine auffällige Kunststoffabdeckung hervor, unter der sich eine Antenne verbergen dürfte. Der Touchscreen mit einem Durchmesser von 360mm besteht aus einem planen, kratzfesten Saphirglas, unter dem ein LTPS LCD Touchscreen mit einer Auflösung von 240ppi arbeitet. Im Standardmodus präsentiert der Bildschirm ein typisches Zifferblatt einer mechanischen Uhr der Marke, allerdings ohne wirkliche Tiefenwirkung. Standardmässig kann der Träger zwischen drei Typen wählen: Chronograph, 3 Zeiger oder GMT. Die programmierten Zifferblätter sind in drei Farben abrufbar: schwarz, dunkelblau und weiss. Weitere sollen in Zukunft über den Google Play Store heruntergeladen werden können. Informationen, die über die Zeitanzeige hinausgehen, werden im Standardmodus in den drei Totalisatoren des Chronos visualisiert. Will man sich mit einer Funktion eingehender befassen, tippt man sie an, worauf sie sich im Vollbildmodus präsentiert. Die Funktionen der Uhr werden sowohl über Fingergesten auf dem Touchscreen, als auch über die als Druckknopf ausgebildete Krone angewählt. Folgende Zusatzapps sind speziell für die Connected Watch von Tag Heuer konzipiert worden: Insiders, eine Lifestyle App; GolfShot Pro für Golfer; RaceChrono Pro für den Motorsport, und Viewrangers, eine GPS-basierte App zum Wandern. Die Uhr wird mit einem schwarzen Kautschukband mit Faltschliesse aus Titan geliefert. Zusätzliche Bänder sind in rot, blau, weiss, orange, grün und gelb erhältlich.

Die neuen Tag Heuer Connected im Schaufenster der Tag Heuer Boutique im LVMH Tower. (Photo by Craig Barritt/Getty Images for Tag Heuer)
Die neuen Tag Heuer Connected im Schaufenster der Tag Heuer Boutique im LVMH Tower. (Photo by Craig Barritt/Getty Images for Tag Heuer)

Die Laufzeit der Batterie wird mit einem Tag angegeben, eine Angabe, die einigen Spielraum zulässt. Auch bei der Wasserdichtigkeit bewegt sich die Smartwatch des Schweizer Herstellers in der Nähe ihres grössten Konkurrenten, der Apple Watch. Wohl wegen des eingebauten Mikrofons ist die Uhr lediglich spritzwassergeschützt. Zum Aufladen muss man die Uhr auf die Ladestation legen. Allerdings wird sie nicht wie bei Apple induktiv geladen, sondern über 4 Kontakte auf der Rückseite.

In der Schweiz kann die Uhr offenbar noch in keinem Geschäft gekauft werden, da sie nur über Tag Heuer Boutiquen und übers Internet vertrieben wird. Die nächste Boutique von uns aus ist in München.

Farbenfroh präsentiert sich die Carrera-Smartwatch mit orangefarbenem Kautschukband.
Farbenfroh präsentiert sich die Carrera-Smartwatch mit orangefarbenem Kautschukband.
So präsentiert sich das Zifferblatt, wenn eine App in den Vordergrund tritt.
So präsentiert sich das Zifferblatt, wenn eine App in den Vordergrund tritt.

Ob Tag Heuer mit diesem elektronischen Zeitmesser, auf dem zwischen den Bandanstössen in grossen Lettern „Swiss Engineered“ prangt, die Zukunft der Marke eingeläutet hat, wird die Zukunft weisen. Anders als die Apple Watch scheint sie nicht über Sensoren auf der Rückseite zu verfügen, mit denen der Puls überwacht werden kann. Verschwiegen wurde bei der Pressekonferenz natürlich auch, dass die Zusammenarbeit der Uhrenmarke mit Google und Intel nicht exklusiv ist, zumal bereits ein Vertrag zwischen Fossil und den beiden Elektronikkonzernen besteht. Was in Zukunft von Fossil in dieser Richtung zu erwarten ist, dürfte ja ebenfalls spannend werden, da der amerikanische Lifestyle-Konzern auch connected Jewelry plant.

Auf die Uhr gewährt Tag Heuer eine Garantiezeit von 2 Jahren. Nach Ablauf dieser Zeit bietet die Marke dem Käufer einen ganz speziellen Service, der wohl dazu dienen soll, unentschlossene Kunden zu ködern: dann darf man seine Uhr nämlich zu einer Tag Heuer Boutique bringen und gegen ein mechanisches Modell eintauschen, das speziell zu diesem Zweck entworfen wurde.

Omega liefert erste Uhren mit dem neuen offiziellen METAS-Zertifikat

Omega liefert erste Uhren mit dem neuen offiziellen METAS-Zertifikat

Omega hat mit dem Eidgenössichen Metrologischen Institut METAS einen neuen Prüfstandard für Armbanduhren erarbeitet, der den bislang meistbenutzten Chronometerstandard COSC ergänzt. Uhren, die den COSC und den neuen Test bestehen, dürfen das Prädikat Master Chronometer auf dem Zifferblatt tragen.

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Montagehalle von ETA/Omega in Villeret (Foto Omega)

Die vom britischen Uhrmacher und Erfinder George Daniels konstruierte Co-Axial-Hemmung ist mittlerweile in allen Werken der Bieler Manufaktur Standard geworden. Die Hemmung war Ende des 20. Jahrhunderts auf ausdrücklichen Wunsch von Nicolas G. Hayek bei Omega eingeführt worden. Die Anfangsphase war harzig, weil sich die Industrialisierung der Hemmung, die ursprünglich für Taschenuhren ausgelegt war, schwieriger gestaltete als erwartet. Der komplexe Aufbau auf mehreren Niveaus verlangte nach engeren Toleranzen als eine herkömmliche Ankerhemmung. Ausserdem funktionierte das System bei der üblichen Frequenz von 4 Hz (28’800 a/h) nicht zufriedenstellend, weshalb die Ingenieure sie auf unübliche 3,5 Hz (25’200 a/h) senkten. Nachdem in der Anfangsphase Standardwerke für die neue Hemmung umgebaut wurden, erschien im Jahr 2007 das erste hauseigene Automatikwerk, das um die Co-Axial-Hemmung herumkonstruiert worden war, das Kaliber 8500/8501. Damit entwickelte Omega sich immer mehr zu einer wahren Manufaktur mit proprietären Werken, die sich auch optisch ganz klar von den ETA-Standardwerken unterschieden.

2009 wurde die mittlerweile ausgereifte Hemmung durch eine Silizium-Spiralfeder ergänzt, was sie gegenüber Magnetfeldern unempfindlicher machte, da der Halbleiter Silizium nicht zu den Metallen zählt und sich nicht magnetisieren lässt. Weitere Vorzüge des Materials, das sonst für die Chipherstellung verwendet wird, liegen in der beinahe absoluten Masshaltigkeit, der Möglichkeit, ganz spezielle Formen zu realisieren, sowie der Herstellung grosser Quantitäten identischer Werkstücke.

Die Produktion eigener Werke bedingte eine Auslagerung aus der ursprünglichen Produktion bei ETA in Grenchen. Dort entstand eine 2013 eröffnete Fertigungsstrasse für die Kaliberfamilie 9300, die mit einem Chronographen ausgestattet ist. In Villeret, gleich neben einem Gebäude des Hemmungslieferanten Nivarox, entstand ein neues, im November 2014 bezogenes Fabrikationsgebäude für alle übrigen Automatikkaliber mit Co-Axial-Technik. Die Produktion geschieht unter Reinraumbedingungen und mit einer intern entwickelten Montagestrasse, die es erlaubt, dass in ein- und demselben Montagefluss unterschiedliche Kaliber montiert werden können. Zu Beginn des Vorgangs wird jede noch nackte Grundplatine in einen Werkhalter aus Kunststoff gesetzt, den sie bis zum Schluss nicht mehr verlässt. Jeder Werkhalter enthält einen Chip mit einer individuellen Adresse, der an jeder Montagestation über eine eingebaute Antenne ausgelesen wird und das Werk identifiziert. Nach jedem Bearbeitungsschritt wird der Chip mit der Information über die Etappe gefüttert. Die ausgeführte Arbeit wird aber auch nach jeder Station sogleich geprüft, und das Ergebnis ebenfalls auf dem Chip festgehalten. Liegt ein Messpunkt ausserhalb der Toleranzgrenze, fährt die Platine zu der Station zurück, die den beanstandeten Schritt ausgeführt hat, ohne die nachfolgenden Platinen zu behindern. Auf ihrem Weg von A nach B verlassen die Werkstücke immer wieder die Hauptstrasse, um zu den Stationen zu gelangen, wo die ihnen zugeordneten Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden. Viele Operationen, wie zum Beispiel das Schmieren der Lagersteine und der Hemmung werden aus Gründen der exakten Wiederholbarkeit von Robotern ausgeführt. Das Ölen übernehmen piezo-elektrische Düsen, ähnlich wie in einem Tintenstrahldrucker, welche Menge und Position absolut exakt einhalten. Trotzdem kann bei der Montage der Werke nicht auf Handarbeit verzichtet werden. Dort, wo Schrauben angezogen werden, kommen jedoch durchs Band elektrische Schrauber mit exakt vordosiertem Drehmoment zum Einsatz, um ausnahmslos optimal angezogene Schrauben zu garantieren.

In den neuen weissen Hallen von Villeret, dem Örtchen, wo auch die zu Montblanc gehörende Minerva steht, arbeiten rund 300 Mitarbeitende. Wie bei einem Neubau zu erwarten, bestehen noch Kapazitätsreserven. Hier werden die übrigen automatischen Kaliber mit Co-Axial-Hemmung zusammengesetzt, deren vierstellige Bezeichnungen mit einer 8 beginnen. Darunter auch die etwas kleineren Automatikwerke für die Ladymatic und die Constellation für Damen.

Resistent gegen stärkste Magnetfelder

Besonders stolz ist man bei Omega jedoch auf einen neuen Industriestandard für mechanische Uhren in Form eines Zertifikats des eidgenössischen Instituts für Metrologie METAS. Das Zertifikat, welches eine Chronometerprüfung durch das Prüfinstitut „Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres “ (COSC) voraussetzt, garantiert, dass sowohl die Uhr als auch das nackte Uhrwerk unter dem Einfluss eines 15’000 Gauss starken Magnetfelds einwandfrei laufen und auch danach nicht davon beeinflusst sind. Das entspricht in etwa der Magnetfeldstärke, die im Inneren eines Magnet-Resonanz Tomographen (MRI) erzeugt wird. Der neue Titel lautet „Master Chronometer“. Er ist nicht von Omega geschützt und darf auch von anderen Marken benutzt werden, welche ihre Uhren unter denselben Bedingungen testen wollen.

Um ein Uhrwerk vor Magnetismus zu schützen, gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann das Uhrwerk im Inneren des Gehäuses mit einer Art Dose aus Weicheisen ummanteln, welche den Magnetismus wie ein Faraday-Käfig ablenkt und das Werk nicht durchfliessen lässt. Diese Methode versagt aber bei Feldstärken von über 1000 Gauss. Ausserdem lässt sie weder Zifferblätter mit Öffnungen für Datum und dergleichen, noch transparente Böden mit Blick aufs Uhrwerk zu. Omega entschied sich deshalb für die zweite Möglichkeit, nämlich die sensiblen Komponenten aus nicht magnetisierbaren Materialien zu fertigen. Abgesehen von Silizium für Spirale und Hemmungsrad, mussten aber andere amagnetische Legierungen gefunden werden, um beispielsweise die Unruhwelle, die Ankerradwelle, die Federn für die Stossdämpfung und das Ankerrad selbst herzustellen. Diese gehören zu den ganz grossen Geheimnissen der Bieler Marke.

Das Prozedere

Da METAS solcherlei Prüfungen nicht selbst durchführt, sondern lediglich über die Einhaltung der Standards wacht, hat Omega die Prüfapparaturen am Hauptsitz in Biel eingerichtet. Die Installation des tunnelförmigen, anderthalb Tonnen schweren Permanentmagneten im ersten Geschoss war allerdings ein schwieriges Unterfangen. „Wir mussten um den Magneten herum einen Glaskasten bauen, der einen Sicherheitsabstand garantiert. Alles Eisenhaltige, das dem Block zu nahe kommt, wird so stark angezogen, dass man es nicht mehr zurückhalten kann. Einen Schraubenzieher, der daran haftet, bekommt man nicht mehr weg“, erklärt Andreas Hobmeier, der für das Prüflabor verantwortlich ist.

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Der erste bei Omega installierte Permanentmagnet mit 15’000 Gauss Magnetfeld. Eine mit 10 Uhren bestückte Schiene ist bereit, in den Tunnel geschoben zu werden. (Foto Omega)

Die Uhrwerke selbst werden geprüft, indem zehn Stück in einer Linie auf einer Schiene befestigt und in die Tunnelöffnung des blau lackierten Magneten geschoben werden. Dort bleiben sie mehrere Minuten, während draussen ihr Gang überwacht und digital festgehalten wird. Nach der Belastung werden die Werke entmagnetisiert, um auch Bauteile wie Schrauben gänzlich von Magnetismus zu befreien, und erneut geprüft. Nachdem die Werke eingeschalt sind, startet das Prozedere erneut. Zusätzlich wird der Gang der Uhren bei 23° und 33° geprüft und jede Uhr auf Wasserdichtigkeit bis zum deklarierten Wert getestet. Die wiederholten Gangprüfungen werden stets in sechs verschiedenen Positionen durchgeführt, die den sechs Flächen eines Würfels entsprechen (Zifferblatt oben, Boden oben, Krone oben, Krone unten, Krone links, Krone rechts). Da die aufwendigen Prüfungen in der Produktion ein Nadelöhr darstellen, soll auch hier in näherer Zukunft die Kapazität vergrössert werden. Wenn Omega den neuen Standard in einigen Jahren auf die gesamte Produktion ausweiten will, dürfte es sich um etwa 700’000 Uhren jährlich handeln. Bis dann sollen mindestens 4 bis 5 Permanentmagnete installiert sein, erklärt Andreas Hobmeier.

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Erste mit dem neuen Zertifikat ausgezeichnete Uhr: eine Globemaster Master Chronometer. (Foto Omega)

Das erste Uhrenmodell von Omega, welches das Label „Master Chronometer“ auf dem Zifferblatt trägt, ist das an der vergangenen Baselworld vorgestellte Modell Globemaster, dessen Zifferblatt an das ikonische Modell Constellation erinnert, während die kannellierte Lünette eher an ein Konkurrenzprodukt denken lässt. Die ersten zertifizierten Modelle dieser Linie werden vor Ende dieses Jahres ausgeliefert werden.