Prinzip Wirbelwind

Was ist eine Hemmung anderes als eine Bremse, die ein von einer bestimmten Kraft angetriebenes Räderwerk mit einer konstanten Geschwindigkeit rotieren lässt? Sie ist eine Art Tempomat für Uhrwerke, mit dem Unterschied, dass sie nicht Gas geben kann, wenn die Geschwindigkeit zu langsam wird. Sie muss ihre Bremskraft konstant der Antriebskraft anpassen. Da dies auf mechanischem Weg nicht so einfach möglich ist, funktionieren alle bislang entwickelten Hemmungen auf dem Prinzip, das Räderwerk in getakteten Abständen komplett zu stoppen, um es dazwischen um einen konstanten Weg weiterlaufen zu lassen. Die Geschwindigkeit zwischen zwei Stopps ist zweitrangig, solange sie ausreicht, den nächsten Takt nicht zu verpassen. Am wichtigsten ist die Konstanz der Abstände zwischen den Ticks und Tacks. Sie werden von einem Schwingorgan, sei es ein Pendel oder eine Unruh, getaktet, das wiederum Energie vom Räderwerk bezieht. Die zur Verfügung stehende Energiemenge im Federhaus sollte die Schwingdauer möglichst nicht beeinflussen, was aber leider in der Praxis nicht zutrifft. Deshalb setzt die Uhrenindustrie alles daran, Federn (Material und Form), Federhäuser und Räderwerke so zu konzipieren, dass sie über die gesamte Gangdauer eine möglichst konstante Energie an die Hemmung liefern.

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Ohne Grössenangaben: Prototyp der Luftbremse von Greubel Forsey. Material unbekannt.

Der Traum eines jeden Uhrenkonstrukteurs ist es natürlich, eine Hemmung zu erfinden, die ohne das Ticktack herkömmlicher Hemmungen, und damit die springende Bewegung des Sekundenzeigers auskommt. Seiko kommt mit ihrem Prinzip „Spring Drive“ nahe an eine solche Lösung, leider ist dazu aber eine Portion Elektronik im Werk notwendig, etwas, das in der „Haute Horlogerie“ verpönt ist. Die Luxusmarke Greubel Forsey, die sich auch mit dem Titel „Art of Invention“ schmückt, hat nun bekannt gegeben, einer Lösung auf der Spur zu sein, die mit Nanotechnologie realisiert worden sei. Zusätzlich zum ästhetischen sprunglosen Antrieb soll das neue Hemmungsprinzip auch enorm platzsparend sein und eine enorme Gangreserve von 180 Tagen möglich machen. Kernstück des ansonsten noch geheimen Projekts ist ein Schaufelrädchen, ähnlich wie dasjenige eines Raddampfers, bloss viel kleiner. Es soll am Ende des Räderwerks für eine konstante Drehzahl sorgen, Luftwirbel sollen als Bremse fungieren. Das erinnert stark an die Windbremsen, die man in Spieldosen, Automaten und Läutwerken findet. Diese bremsen die stark übersetzten Getriebe zwar so, dass sie nicht unkontrolliert schneller werden, können aber nicht verhindern, dass sie bei nachlassender Federkraft immer langsamer werden.

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Blackbox: der schraffierte Bereich zeigt, wie wenig das neuartige Räderwerk mit Luftbremse in Nanotechnologie brauchen würde. Die wenigen übrigen Zahnräder in üblicher Grösse dienen lediglich der Zeigerstellung und der Untersetzung von Minutenzeiger zu Stundenzeiger.

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Zum Vergleich: Herkömmliches Räderwerk mit Schweizer Ankerhemmung.

Sollten die beiden Uhrengenies Robert Greubel, Stephen Forsey und ihre Equipe der Physik ein Schnippchen geschlagen haben? Oder handelt es sich um ein Projekt, das in erster Linie für Buzz sorgen soll, wie das schon so oft in dieser Industrie geschah, die einen alltäglichen Gegenstand zu vermarkten sucht, als sei es ein high-End Produkt mit den neusten Erkenntnissen der Technik an Bord? An dieser Stelle sei an die vielversprechende magnetische „Pendulum“-Hemmung von Tag Heuer erinnert, an das Projekt „Resonique“ von De Bethune, an die Versuche von Audemars Piguet und Jaeger-LeCoultre, die Chronometerhemmung für die Armbanduhr fit zu machen. Wer weiss, wie es dem „Constant Escapement“ von Girard Perregaux geht? Und wer kann sich noch an das ambitionierte Projekt „Memoire 1“ von Maurice Lacroix erinnern? Die einzigen alternativen Hemmungen, die sich bis heute wirklich durchgesetzt haben, sind die Co-Axial Hemmung von George Daniels, die heute standardmässig in allen mechanischen Uhren von Omega tickt, sowie die Dual-Ulysse-Hemmung von Ulysse Nardin, die allerdings den ausgefallensten Uhren der Marke vorbehalten ist.

So ein Käse

Edouard Meylan, CEO der Schaffhauser Uhrenmarke H. Moser & Cie ist mit der neuen, eigentlich strengeren, Definition des Labels „Swiss Made“ nicht zufrieden. Da er überzeugt ist, dass alle Schweizer Uhrenhersteller ihre Uhren zu mindestens 95% in der Schweiz, und natürlich mit Schweizer Komponenten herstellen sollen, wie Moser das seiner Meinung nach tut, will er zum Genfer Uhrensalon, der am 16. Januar beginnt, ein Exempel statuieren. Die Marke hat dazu eine Uhr gebaut, deren Gehäuse nicht aus Metall besteht, sondern aus Käse. Der Gehäusering, der in Tat und Wahrheit über ein dünnes Stahlgehäuse gepasst wurde, besteht aus Vacheron Mont d’Or, der mit einem Harz namens itr2© hart und haltbar gemacht wurde. Das Verfahren erinnert entfernt an die von Gunther von Hagens zur Konservierung menschlicher Leichen angewandte Plastination. Die Uhr soll zu einem Preis von 1’081’291 verkauft werden, und der Erlös vollumfänglich Zulieferbetrieben der Uhrenindustrie zugute kommen, die durch die herrschende Konjunktur in Bedrängnis geraten sind. Die Preissumme ist eine Reverenz an die Unterzeichnung des Bundesbriefes am 1. August 1291.

Das Armband ist natürlich aus Kuhhaut gefertigt, da es in der Schweiz bekanntlich keine Krokodile gibt. Die etwas pummelige Optik der Uhr erinnert entfernt an die einstige Rockwatch von Tissot.

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Meylan, der Sohn des ehemaligen AP-CEOs George-Henri Meylan inszeniert sich in einem Video als hemdsärmeliger Tell mit Armbrust, der sich über den Umgang der Schweiz mit ihren Werten mokiert. Da die vom Ingenieur und ehemaligen IWC-Mitarbeiter Jürgen Lange gegründete Marke H. Moser & Cie. ursprünglich einen ausserordentlich seriösen Ruf  genoss, stellt sich die Frage, ob derartiger Klamauk der Marke nicht mehr Schaden als Nutzen bringt. Bereits die Swiss Alp Watch im Gewand einer Apple Watch vom vergangenen Jahr hatte sich an der Grenze zu lustig bewegt.

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Vacheron Constantin lanciert neue Overseas Kollektion

Vacheron Constantin lanciert neue Overseas Kollektion

Die Genfer Uhrenmanufaktur Vacheron Constantin sorgt dieses Jahr bereits zum zweiten Mal für Aufsehen. Bereits im Januar, am Genfer Uhrensalon SIHH, vermochte das Haus die Blicke auf sich zu ziehen, als es eine frische Version der bekannten Kollektion „Overseas“ aus dem Ärmel zauberte. Die „Overseas“ gehört zu den Design-Ikonen der Marke und kann auf eine bewegte vierzigjährige Geschichte zurückblicken. Ihren markanten Auftritt verdankt die Uhrenlinie einerseits ihrer eigenwillig geformten Lünette, die an ein Malteserkreuz erinnert, andererseits der kantigen Linienführung des Gehäuses mit seinen integrierten Bandanstössen.

In Genf stellte die Marke zwei extraflache Modelle – eines davon mit ewigem Kalender – , einen Chronographen sowie ein zierlicheres Damenmodell mit kleiner Sekunde und Brillantbesatz vor. Alle Uhren sind mit automatischen Manufakturkalibern ausgestattet, welche die Genfer Punze tragen. Es gibt die Uhren in unterschiedlichen Metallen, sogar in Stahl. Zur klassischen Zifferblattfarbe Silber gesellen sich Schokobraun, Schiefergrau und ein tiefes Königsblau.

Eine Uhr; drei Varianten. Die Overseas Extrablatt (7,5 mm) mit den drei mitgelieferten Armbändern.

Der Clou der überarbeiteten „Overseas“ sind jedoch die ohne Werkzeug auswechselbaren Armbänder. Jeder Uhr liegen neben dem Gliederarmband ein Alligator-Lederband sowie ein farblich zum Zifferblatt passendes, strukturiertes Kautschukband bei. Sie können mithilfe eines unterseitig am Bandende angebrachten Hebels leicht entfernt und wieder befestigt werden. Am Handgelenk ist es unmöglich, diesen Mechanismus zu entriegeln.

Das Modell mit drei Zeigern und Datum mit seinen Bändern (links). Der Chronograph mit Rückansicht. Der Hebel zum Lösen des Bandes ist gut zu erkennen. Im Werk erkennt man das Schaltrad in Form eines Malteserkreuzes (rechts).

Zu Sommerbeginn folgte dann der zweite Teil der Lancierung, verbunden mit einem Modell, das am SIHH noch nicht zu sehen war: die „Overseas“ mit Anzeige der Weltzeit, eine Funktion, die auf einer Uhr mit diesem Namen durchaus Sinn ergibt, bisher aber in diesem Gehäuse noch nicht realisiert worden war. Es handelt sich um eine Weltzeit-Anzeige nach dem von Louis Cottier 1931 entwickelten System. Die Zifferblattmitte ziert eine Lambert-Projektion unseres Globus als Relief. Der Nordpol befindet sich im Zentrum, wo die Zeigerachsen das Zifferblatt durchstossen. Um den Äquator sind 37 Weltstädte angeordnet, welche die derzeit existierenden Zeitzonen repräsentieren. Die Uhr kann demnach auch Zeitzonen anzeigen, die halbe und gar Viertelstunden zum üblichen Raster verschoben sind. Die Einstellung der eigenen Heim-Zeit ist einfach, das kleine Dreieck auf der Lünette bei 6 Uhr hilft dabei. Bei in Position 1 gezogener Krone wird die Stadt, die sich in der selben Zeitzone befindet wie der Träger, zur Markierung gedreht. Dann wird die Uhrzeit bei voll gezogener Krone eingestellt, sodass nicht nur die Zeigerstellung stimmt, sondern auch die korrekte Stunde im 24-h-Format über der Markierung steht. Nachdem man die Krone wieder eingedrückt hat, zeigen nun die über den diversen Städten erscheinenden Ziffern die dortige Lokalzeit an. Da jedoch die Sommerzeit nicht berücksichtigt wird, muss man sich diese selbst für die betreffenden Orte zusammenrechnen.

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World Time Overseas mit blauem Zifferblatt

Vacheron Constantin hat sich für die weltweite Lancierung der neuen Overseas-Kollektion etwas Spezielles einfallen lassen: die Manufaktur liess den bekannten Fotografen Steve McCurry einige der schönsten Orte der Welt in Szene setzen und verwendet die entstandenen Bilder für die neue Werbekampagne.

Die Geschichte der „Overseas“

Kapitel 1

1977, zum 222. Geburtstag der Manufaktur lancierte Vacheron Constantin das Modell „222“, welches durch eine klare Linienführung und eine Designsprache auffiel, die wohl nicht ganz unbeabsichtigt an die erfolgreichen Modelle „Royal Oak“ von Audemars Piguet, „Nautilus“ von Patek Philippe sowie „Ingenieur“ von IWC erinnerte. Alle diese Uhren waren vom Designer Gérald Genta entworfen, der mit einem Schlag berühmt geworden war, nachdem sein Erstling, die „Royal Oak“ wider Erwarten ein grosser Erfolg geworden war. Logisch, dass die Mitbewerber sich eine Scheibe vom Erfolg abschneiden wollten und somit den freischaffenden Designer mit Aufträgen bedachten, die in dieselbe Richtung zielten.

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Das Ursprungsmodell „222“ von 1977, entworfen von Jörg Hysek

Nicht so Vacheron Constantin. Die Marke beauftragte den freischaffenden deutschen Designer Jörg Hysek, der erst 1999 seine eigene Marke gründen sollte. Hysek griff die neuen Codes auf, welche Gentas Entwürfe so unverwechselbar machten: als Inspiration diente in allen Fällen das Bullauge eines Schiffs. Alle diese Uhren besassen ein sogenanntes Monocoque-Gehäuse, das aus einem Stück Metall gefräst und nur nach oben offen war. Bei dieser Konstruktion ohne abnehmbaren Boden wird das Uhrwerk von oben eingesetzt und das Gehäuse mit einer breiten Lünette abgedichtet. Im Falle der „Royal Oak“ wurde die Lünette mit dem breiten und von aussen sichtbaren Dichtungsring aufgesetzt und dann mit acht das gesamte Gehäuse durchdringenden Schrauben befestigt. Das erste Modell „Nautilus“ besass gar ein Scharnier, mit dem Lünette und Glas wie bei einem echten Bullauge aufgeklappt wurde. Gegenüber dem Scharnier, bei der Krone, lag ein Verschluss, der mit Schrauben verstiftet wurde. Die „Ingenieur“ von IWC hingegen besass eine Lünette, die als ganzes auf ein grosses Gewinde am Gehäuse geschraubt wurde. Die fünf Löcher fürs Werkzeug waren dadurch nie symmetrisch angeordnet.

Hyseks Entwurf ist von einer Eleganz, die vollkommen zum Charakter von Vacheron Constantin passt und dennoch etwas in der Firmengeschichte nie da gewesenes darstellt. Abgesehen von den Modellen der Konkurrenz inspirierte Hysek sich auch an einem wasserdichten Modell von Vacheron Constantin aus dem Jahr 1933, das bereits damals eine verschraubbare Lünette und kantige Züge hatte.

Bestechend am Gehäuse ist die grosse, längs gebürstete horizontale Facette, auf welcher die wie ein Werkzeug gerändelte Lünette aufliegt. Rechts unten wird die ebene Oberfläche durch eine kleine runde Einfräsung unterbrochen, in welche ein goldenes Malteserkreuz, das Logo von Vacheron Constantin, eingefasst ist. Das Urmodell war mit einem extraflachen Automatik-Kaliber 1121 ausgestattet, das von Jaeger-LeCoultre entwickelt worden war und heute von Audemars Piguet verwendet wird. Das puristische Zifferblatt zierten einzig zwei Zeiger und diamantierte Indexe. Das Datum war die einzige Ziffer darauf. Das integrierte Gliederarmband konnte sofort an den hexagonalen Gliedern in der Mitte erkannt werden. Die Uhr wurde als echte Vacheron Constantin akzeptiert und zu einem Bestandteil der Kollektion.

Kapitel 2

1996, nach 19 Jahren, stand ein erstes Update an. Der heute vor allem für Schmuck bekannte Designer Dino Modolo aus La Chaux-de-Fonds wurde mit der Überarbeitung der Uhr betraut. Die augenfälligste Modifikation betraf die Lünette, deren ursprüngliche Rändelung nun umgestaltet wurde, sodass sie an ein achtflügliges Malteserkreuz erinnerte, ein Werksteil, das im Aufzugsmechanismus alter Uhren zum Einsatz kam und deshalb auch das Markenlogo von Vacheron Constantin ist. Modolo stattete die nun sportlicher aussehende Uhr mit einem Kronenschutz aus und überarbeitete das Gliederarmband. Die neuen, schmalen Zwischenglieder unterstreichen nun die Längsachse des Bands, der Wechsel von gebürsteten und polierten Elementen nimmt der Uhr den Instrumentencharakter, den das Urmodell verströmte. Ging die „222“ noch in einer geraden Linie ins Gliederarmband über, besass der Nachfolger dort eine leichte Taillierung.

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Das Modell „Overseas“ von 1996 in der Version Chronograph mit Grossdatum und Stahlband

Ausserdem erhielt die Uhr einen neuen Namen, denn der 222. Geburtstag war längst vorbei. Sie nannte sich fortan „Overseas“, was natürlich wiederum an das designgebende Bullauge erinnert. Allerdings war die Konstruktion nun eine konventionelle mit verschraubtem Boden. Die Lünette liess sich nicht drehen, unter anderem, damit die Position der Rändelung sich nicht veränderte.

Kapitel 3

Weitere acht Jahre darauf, im Jahr 2004, folgte die dritte Generation der legendären Uhr, Overseas 2 mit einem grundlegend neu gestalteten Gliederarmband, bei dem die hauseigenen Designer das Malteserkreuz in die Formgebung der Glieder einfliessen liessen. Das neue Design erlaubte es, auf kleine Zwischenglieder zu verzichten, da jedes Glied einen Nachbarn umschloss und vom anderen umschlossen wurde. Die Anspielung an das Malteserkreuz bedingte eine aufwendige Facettierung aller Glieder. Diese keilförmige Facettierung findet sich in der Rändelung der Krone und dem guillochierten Muster auf dem Zifferblatt wieder. Der in das Profil der Lünette eingreifende Kronenschutz machte klar, dass diese sich nicht drehen liess. Abgesehen vom Grundmodell mit drei Zeigern kam eine ganze Familie sportlicher Varianten wie Chronograph und GMT auf den Markt.

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Das Modell „Overseas“ aus dem Jahr 2004 in einer Version mit zweiter Zeitzone, Zeigerdatum und Gangreserve. Das Armband weist bereits Ähnlichkeiten mit der aktuellen Version auf.

Die diesjährige Lancierung stellt somit die vierte Generation dieser zeitlosen Uhrenfamilie dar, auch wenn es sich erst um die dritte Generation mit dem Namen „Overseas“ handelt. Äusserlich erkennt man die Neue am schnellsten an der Lünette, die nun nur noch sechs Flügel anstelle der bisher acht aufweist. Verschwunden ist auch der Kronenschutz, der bei Generation 2 und 3 jeweils unterschiedlich aussah. Der Raum zwischen den Flügeln der Lünette ist nun wieder durch einen durchgehenden Rand ausgefüllt, wie das bereits beim Modell “222“ der Fall gewesen war. Der grösste nicht sofort erkennbare Unterschied liegt in der benutzerfreundlichen Auswechselbarkeit der Bänder.

Preislich bewegen sich die Modelle nahe an ihren Mitbewerberinnen von Patek Philippe und Audemars Piguet.

Timm Delfs

Ehepaar Stas verkauft sein Lebenswerk

Ehepaar Stas verkauft sein Lebenswerk

Foto: Aletta und Peter Stas mit Alpina-CEO Guido Benedini anlässlich der Lancierung der Horological Smart Watch im Februar 2015.

Der japanische Uhrenkonzern Citizen Watch gab am 26. Mai bekannt, die Schweizer Manufaktur Frédérique Constant mit den dazugehörigen Marken Alpina und Ateliers de Monaco gekauft zu haben. Damit gibt das aus Holland stammende Ehepaar Aletta und Peter Stas ihr 1988 gegründetes Lebenswerk aus der Hand. Zu welchem Preis wurde nicht bekanntgegeben. Die rund 170 Mitarbeiter und das Kader werden ihre Posten behalten, heisst es im Communiqué. Die Manufaktur in Plan-les-Ouates bei Genf produziert etwa 150’000 Uhren pro Jahr.

Citizen Watch hat bereits in der Vergangenheit in die Schweizer Uhrenindustrie investiert; 2012 erwarben die Japaner mit La Joux-Perret einen Hersteller hochwertiger Uhrwerke und  Module. Im Paket eingeschlossen war damals die Uhrenmarke Arnold & Son. Heute gehört auch die wiedererweckte Marke Angelus dazu. Sie spielen beide im Hochpreissegment komplizierter Uhren. Ganz anders die nun dazugekommenen Marken Frédérique Constant und Alpina. Während erstere für klassische Eleganz zu günstigen Preisen steht, bedient die zweite eine Sport-orientierte Klientel im selben Preissegment. Da Frédérique Constant vom Ehepaar Stas allmählich zu einer veritablen Manufaktur mit eigenen Uhrwerkskreationen aufgebaut wurde, ist Citizen mit ihren Schweizer Errungenschaften weitgehend von der sonst allgegenwärtigen Swatch Group unabhängig. Die Marken des Paars wuchsen stetig und mit Bedacht, sodass keine Schulden vorhanden sein dürften. In jüngster Vergangenheit wurde sogar noch in die Smartwatch-Technologie investiert, sodass Citizen ein wahrlich interessantes Paket in der Schweiz besitzt. Ateliers de Monaco, mit einer Handvoll produzierter Uhren pro Jahr, ist so etwas wie das Entwicklungsbüro von Frédérique Constant und Alpina. Hier kann der begnadete Uhrmacher Pim Koeslag an neuen Mechanismen feilen, die zunächst in limitierter Auflage in Uhren von Ateliers de Monaco eingebaut werden, später aber durchaus den Weg in die Serie finden können.

Für Aletta und Peter Stas dürfte die Rechnung ebenfalls aufgehen. Sie haben 28 Jahre das Abenteuer einer eigenen Uhrenmarke mit allen Ups und Downs gelebt und können mit Stolz auf das Vollbrachte zurücksehen. Nun dürfen sie die Früchte ihrer Arbeit geniessen und sich zurücklehnen. Wer wollte ihnen das verübeln?

Richemont eröffnet Campus in Meyrin

Richemont eröffnet Campus in Meyrin

Am 24. Mai wurde in Meyrin, einem Vorort von Genf der „Campus de la Haute Horlogerie“ eröffnet. Der Komplex aus drei mehrstöckigen Gebäuden befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den zwei bestehenden Bauten der Manufaktur Roger Dubuis, welche kurzerhand in den Campus integriert wurden. Hier sollen die Ausbildungsstätten der Richemont-Marken Cartier, Jaeger-LeCoultre, Roger Dubuis, Vacheron Constantin und Van Cleef & Arpels zentral vereint werden. Vor allem die Métiers d’Art wie beispielsweise die Emailminiatur, die Gravur und ähnliche, vor Kurzem noch beinahe ausgestorbene Kunsthandwerke werden hier zu neuen Ehren kommen. Der Gebäudekomplex bietet eine nutzbare Oberfläche von 45’000 m2, ist nach neusten Umweltstandards gebaut und bietet Raum für rund 1200 Arbeitsplätze. Davon sind einige für die beteiligten Marken reserviert, andere markenübergreifend. Zu letzteren gehören natürlich Gemeinschaftsräume wie das Restaurant und die Cafeteria. Der Komplex wurde vom Genfer Architekturbüro DePlanta & Portier realisiert. Momentan sind in den Gebäuden neun Einheiten untergebracht: Büros der Marken Cartier, Jaeger-LeCoultre, Roger Dubuis, Vacheron Constantin und Van Cleef & Arpels, die Ecole des Métiers et Artisans de Haute Horlogerie, die 2005 gegründete Fondation de la Haute Horlogerie, eine Lederwerkstatt für Taschen und Etuis sowie die Büros von Richemont Europe.

 

Girard-Perregaux und Ulysse Nardin am SIHH

Girard-Perregaux und Ulysse Nardin am SIHH

Für Girard-Perregaux ist es eine Rückkehr, für Ulysse Nardin eine neue Erfahrung: die beiden zur Kering-Gruppe (ehemals PPR) gehörenden Marken werden nächstes Jahr am Genfer Salon International de la Haute Horlogerie teilnehmen, der vom 16. bis 20. Januar 2017 stattfinden wird. Ulysse Nardin hat dort noch nie ausgestellt, Girard-Perregaux hatte dem SIHH 2013 den Rücken gekehrt, um nach 13 Jahren wieder zur Baselworld zurückzukehren. Nun ist alles wieder anders.

Der seit 25 Jahren bestehende SIHH bringt sich damit erneut ins Gespräch. Er sorgte bereits diesen Januar für Aufsehen, indem das Ausstellerkomitee neuen unabhängige Marken in ein neu gegründetes „Carrée Horloger“ einlud. Der Uhren-Experte Gisbert Brunner schreibt sogar in seinem Blog, der private Salon SIHH öffne im nächsten Jahr seine Tore während eines Tages fürs Publikum. Auf der offiziellen Seite des Salons ist davon allerdings noch keine Rede. Der SIHH findet alljährlich in Genf und vor der Baselworld statt. Er ist, im Gegensatz zu letzterer, keine Publikumsmesse und kann nur von geladenen Gästen besucht werden. Der SIHH wird von der Fondation de la Haute Horlogerie organisiert, zu deren Gründern Girard-Perregaux gehört.

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Detail des bisherigen Stands von Girard-Perregaux an der Baselworld

Für Basel bedeutet das den Verlust zweier bedeutender Aussteller, die im prestigeträchtigen Parterre der Halle 1 ihre Stände hatten. Die ebenfalls zur Kering-Gruppe gehörende Marke Gucci Timepieces wird indes in Basel bleiben, unter anderem, da sie dem Anspruch der „Haute Horlogerie“ in Genf nicht genügen würde. Ob die Tochtermarke Jeanrichard ebenfalls wieder nach Genf ziehen wird, ist noch nicht offiziell.

Kitsch as Kitsch can

Kitsch as Kitsch can

Die Baselworld steht vor der Tür und erneut buhlen hunderte Uhrenmarken um die Gunst der Konsumenten, der Journalisten und der Händler, die hoffen, den Riecher für die Trends zu haben, um die richtigen Sachen einzukaufen.

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Zum Wiehern schön ist dieses galoppierende Kleinod von Sarcar. Man kann nur hoffen, dass die Zeiger sich nicht im Zaumzeug verheddern.

Bei so vielen Konkurrenten, die im Grunde alle dasselbe zu verkaufen suchen, nämlich einen kompakten Zeitmesser fürs Handgelenk, der gleichzeitig auch noch schmücken soll, ist es nicht verwunderlich, dass die optische Ausrichtung in die unterschiedlichsten Richtungen gehen muss, um sich überhaupt von der Konkurrenz abheben zu können und ein eigenes (Nischen-) Publikum zu finden. In manchen Fällen scheint „Auffallen um jeden Preis“ das wichtigste Credo zu sein. Das trifft ganz besonders für junge Marken zu, die noch nicht etabliert sind und deshalb glauben, umso schriller aus dem Grundrauschen des Designs herausquieken zu müssen.

Wie letztes Jahr habe ich eine Auswahl der herausragendsten Auffälligkeiten zusammengetragen.

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Als wäre sie bei Ausgrabungen auf einem Friedhof aufgetaucht. Eine der Exzentrizitäten von Artya.

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Da Vindice, ob Leonardo sich über die Hommage und Verballhornung seines Namens freuen würde? Ein Möbel von Uhr samt Tourbillon und Barometer, also eigentlich ein Multifunktionsinstrument.

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Horrorlogische Geisterstunde bei Van Der Bauwede.

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Wenn man denkt, es könne nicht mehr schlimmer kommen: Kerbedanz ‚Tree of Life‘