Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz, denn der CEO der Uhrenmarke H. Moser & Cie, Edouard Meylan hatte schon mal ein Video auf YouTube gepostet, in dem er sich, einen Apfel anbeissend, über die Apple Watch lustig gemacht hatte. In einem aktuellen Video stellt die Marke aus Schaffhausen, die seit Ende 2012 zur MELB Holding gehört, ihren neusten Coup vor: die Swiss Alp Watch. Das Gehäuse der rechteckigen Uhr sieht mit seinen abgerundeten Flanken und Ecken sowie den bügelförmigen Bandanstössen aus wie der Apple Watch aus dem Gesicht geschnitten. Die Unterschiede sind ein typisches Moser-Zifferblatt mit drei Zeigern und der sogenannten „fumé“-Optik, das Saphirglas auf der Rückseite, das den Blick auf das mechanische Moser-Kaliber frei gibt, sowie die von einer herkömmlichen Moser-Uhr adaptierte Krone.

Im Communiqué vermeldet die Firma vollmundig, dass die übrige Uhrenindustrie angesichts der Bedrohung durch Smartwatches entweder gar nichts tue oder mit einem halbherzigen elektronischen Ticker mit dem Strom schwimmen wolle, während Moser „für die jahrhundertealten Werte kämpft, auf die sich der Ruf der Schweizer Uhrmacherkunst gründet.“ Die Marke schreibt weiter: „Und statt nun ein Modell mit elektronischem Herzen zu entwickeln, das wie eine mechanische Uhr aussehen will, hat sich H. Moser & Cie. entschlossen, das genaue Gegenteil zu tun.“ Die neue Swiss Alp Watch sei „vom modernen Smartwatch-Design inspiriert, dabei jedoch eine rein mechanische Uhr.“ Das Wort „inspiriert“ klingt dabei etwas scheinheilig, denn dass das Äussere der Uhr von der Apple Watch abgekupfert ist, sieht jedes Kind.Swiss_Alp_Watch_8324-0200_PR_Back_White_Background_RGB

Das ist umso befremdlicher, als die Schweizer Uhrenindustrie sich sonst stets als Opfer von Plagiaten sieht. Seit Jahren führt die „Fédération Horlogère“ einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen billige Nachahmer aus Fernost, die zum Teil die Aufregung nicht verstehen, da es in ihren Augen eine Ehre ist, kopiert zu werden. Die grossen Gruppen Richemont, Swatch Group und LVMH sowie Marken wie Rolex beschäftigen Heere von Fachleuten, die das Internet nach Kopien durchforsten und deren Quellen zu eruieren versuchen, um dann dort direkt mit der Macht des Gesetzes zuschlagen zu können, was auch nicht immer von Erfolg gekrönt ist, da die Gesetzgebung in den betreffenden Ländern diesbezüglich oft lascher ist als in Europa. Dass es auch innerhalb der Schweizer Uhrenindustrie zuweilen zu „Inspirationen“ kommen kann, ist bekannt. So sehen die Uhren der Rado-Linie „True Thinline“ bestimmten Modellen der dänischen Marke Skagen ausgesprochen ähnlich. Als die Marke Jaquet Droz 2001 im Schosse der Swatch Group einen Neustart wagte, waren deren Zifferblätter von Modellen der Genfer Marke F.P. Journe inspiriert. Auch das Modell „Big Bang“ von Hublot ist so nah an der „Royal Oak Offshore“ von Audemars Piguet, dass manch ein Uneingeweihter glaubt, die „Royal Oak“ sei eine Kopie der „Big Bang“. Doch die Tatsache, dass eine Schweizer Marke das Design einer anderen eins zu eins kopiert und daraus auch kein Hehl macht, ist neu.

Zugegeben, das Resultat sieht gar nicht schlecht aus. Das mag daran liegen, dass der Entwurf von Marc Newson für Apple einfach so gelungen ist, dass er auch einer mechanischen Uhr gut zu Gesicht steht. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich fast alles aus der Feder des Australiers schön finde. Interessant wird sein, wie der Markt auf diese Uhr aus Weissgold reagiert, von der es nur 50 Stück zu einem Preis von 25’000.- geben wird. Noch interessanter wird sein, wie Apple selbst auf die Ehrerweisung reagieren wird.

2 Gedanken zu “H. Moser pfeift auf Markenschutz

  1. Apfel hat doch nicht DIE rechteckig-abgerundete Uhr mit Bracelet-Steg erfunden, sondern sich selber von sehr vielen inspirieren lassen. Zugegebenermassen nicht hässlich, das Resultat. Doch Mosers Ticker ist auch mindestens so chic wie eine Mondaine-Bahnhofsfuhr auf einem Apfel-LCD.
    Abgesehen davon, dass Zeiger im Kreis drehen, also in ein rundes Gehäuse gehören.

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    1. Es gibt meines Erachtens zu viele gutaussehende rechteckige Uhren (Jaeger-LeCoultre Reverso, Cartier Tank als Beispiel), als dass man so global urteilen könnte, dass ein Werk mit Zeigern grundsätzlich in ein rundes Gehäuse gehört. Das Resultat dieser doch etwas diktatorischen Weisung wäre eine sehr eingeschränkte Vielfalt. Oder anders gesagt: ziemlich langweilig.

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