Ein zwei Meter langer Riegel an der Wand, so präsentiert sich die „genauste autarke Uhr auf dem Weltmarkt“, die TIMEmachine des Zürcher Hersteller TIMEstandard (www.timestandard.ch). Laut dem Inhaber der Firma und geistigem Vater dieser aussergewöhnlichen Uhr, Pat Micheli, enthält der stabförmige Zeitmesser die erste privat käufliche Atomuhr. Das Werk, das sich hinter einer geheimnisvoll glimmenden Metallplatte auf der linken Seite verbirgt, gehört zu den kleineren Atomuhren und dürfte eine Rubidium-Uhr des Schweizer Herstellers Spectratime (www.spectratime.com) sein, wie die Wissenschaft sie in Satelliten und überall dort einsetzt, wo geringe Abmessungen und präzise Zeitmessung unabdingbar sind. Leider hüllen die Hersteller sich in Schweigen, wenn es darum geht, genaueres über die darin steckende Technologie zu erfahren. Für Verwirrung sorgen auch die zahlreichen Nomenklaturen, wie die „Shot Gun Sequence Referenzquelle“, welche die Frequenzen zweier verschiedener Atom-Oszillatoren potenzieren soll, und zwar nach einer gleichnamigen Sequenzierungsmethode aus der Molekularbiologie. Die Uhr wird auch als äusserst feinfühlig beschrieben. So soll sie beispielsweise die ungleichförmige Rotationsbewegung der Erde registrieren und ihren Gang dem Lauf der Erde anpassen. Das bedeutet, dass man die in unregelmässigen Abständen einzusetzende Schaltsekunde vergessen könne, da das mitdenkende Uhrwerk diese bereits automatisch ausgeglichen habe. Zuständig dafür sind die „ permanent programmable peridoic error correction“ (PPPEC) sowie das „leap second auto alignment“ (LSAA). Wie das genau vor sich geht, war auch im direkten Gespräch mit Pat Micheli nicht zu erfahren, als die Uhr am 16. November bei Zeitzone (www.zeitzone.ch) in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Immerhin ist aus den Unterlagen zu erfahren, mit welcher Frequenz der „Perpetual Oszillator Monoblock“ getaktet ist; er arbeitet mit 1’420’405’752 Hertz, also rund 1,4 Gigahertz, eine Zahl, die angesichts ähnlicher Taktfrequenzen in Computern nicht mehr so ungewöhnlich aussieht.theTIMEmachine_01

Auch für die Anzeige haben sich die Erfinder etwas ungewöhnliches ausgedacht, was dazu führt, dass die Uhr beim ersten Betrachten absolut rätselhaft erscheint. Jede Zahl ist durch eine Ziffernreihe dargestellt, die zunächst einmal aufaddiert werden muss. So geht denn das Ablesen bedeutend langsamer als das Anzeigen des Moments. Die Ziffern werden nämlich laut Pat Micheli mit Lichtgeschwindigkeit angesteuert, obschon es sich dabei um eine elektro-mechanische Schaltung (EMC) handeln soll. Um die Sekunden darstellen zu können, kommt folgende Zahlenreihe zum Einsatz: 32, 16, 8, 4, 2, 1. Jede dieser Ziffern kennt nur zwei Zustände: die erwähnte Zahl oder Null. Die 60 würde sich demnach folgendermassen darstellen: 32, 16, 8, 4, 0, 0. 0 wird als 0, 0, 0, 0, 0, 0 dargestellt. 37 sieht so aus: 32, 0, 0, 4, 0, 1. Da die Uhr sowohl Datum als auch Uhrzeit anzeigt, benötigt sie 6 Zahlenblöcke mit insgesamt 59 Ziffern. Es gibt drei Versionen, die sich durch die Anordnung von Datum und Uhrzeit unterscheiden. Die Zahlenblöcke sind nicht beschriftet, und so muss man sich anfangs etwas Zeit nehmen, um deren Bedeutung herauszufinden, falls man nicht weiss, welche der drei Varianten man vor sich hat.

Da die Philosophie der 61’400 Franken teuren TIMEmachine keine Synchronisierung mit einer Funkuhr vorsieht, ist es auch beinahe unmöglich, die Uhr selbst so genau einzustellen, wie sie anschliessend die Zeit zählen soll. Dazu braucht es die Mitarbeiter von TIMEstandard, welche die Uhr auch liefern. Damit bei einem Stromausfall die wertvolle Zeit nicht verloren geht, kann man dazu die RESOURCEmachine kaufen, ein Notstromaggregat, das mittels eines weiterdrehenden Schwungrads noch einige Zeit genügend Strom für die Zeitmaschine erzeugen kann.

Das Gehäuse der TIMEmachine besteht aus zwei Hauptkomponenten, einem schwarzen Körper, der aus einem Block Kompositmaterial gefräst wurde und gute Dämpfungseigenschaften aufweisen soll, sowie einem etwa 4 cm dicken Verbundglas, das mit transversalen Edelstahlschrauben auf dem Rückteil fixiert ist. Die Wand, die die Uhr tragen soll, muss stark gebaut sein, denn die Uhr wiegt rund 100 Kilogramm.

Ein Gedanke zu “Die Atomuhr fürs Wohnzimmer

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